Kyritz

Stadt Chronik 2020

Historischer Heimatverein fĂĽr Kyritz und die Ostprignitz e.V.   Stadtchronik 
Nach der endgültigen Unterwerfung der Slawen des Havelgebietes 1157 durch Albrecht den Bären begann die deutsche Besiedlung der Prignitz.

Eine deutsche Burganlage am westlichen Ufer des Jäglitzstromtales diente zum Schutz und wurde Ausgangspunkt für die Stadtgründung. 1232 wurde Kyritz erstmals schriftlich erwähnt. 1237 erhielt Kyritz durch die Herrn von Plotho das Stendaler Stadtrecht, das den künftigen Rechtsstand und Besitz klärte sowie den Ort juristisch zur Stadt erhob. Kraft ihrer landesherrlichen Rechte und Befugnisse über die Gebiete um Kyritz verliehen sie der Stadt 1259 die Mühlengerechtigkeit und die freie Schiffahrt auf der Jäglitz und Dosse bis zur Elbe. Markgrafen aus dem Hause der Askanier eigneten sich Macht und Besitz auch über die Stadt und die Gebiete um Kyritz an.

1287 verlieh der Markgraf Johann der Stadt das Privileg der Zollfreiheit in der gesamten Mark. Von der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts an stand Kyritz abwechselnd unter markgräflich-brandenburgischer und mecklenburgischer Herrschaft, um schlieĂźlich Anfang des 15. Jahrhunderts zur Herrschaft der Hohenzollern zu gehören, die 1415 mit der Markgrafschaft Brandenburg belehnt und als KurfĂĽrsten eingesetzt waren. Durch die gĂĽnstige Lage an mehreren HandelsstraĂźen konnten Handel und Gewerbe in Kyritz schon frĂĽh einen erheblichen Aufschwung nehmen. Die vier ältesten und wichtigsten ZĂĽnfte der Stadt waren die Tuchmacher, die Bäcker, die Fleischer und die Schuhmacher. 1245 haben die Herren von Plotho der Gewandschneidergilde zu Kyritz die Rechte der Gewandschneiderzunft von Stendal verliehen. 1610 gab es von ihnen 300 Mitglieder in Kyritz, die mit den groĂźen Hansestädten Hamburg und LĂĽbeck enge Handelsbeziehungen unterhielten. Kyritz gehörte ebenfalls zur Hanse. Noch 1417 wird sie als Hansestadt benannt. Nach LĂĽbeck fĂĽhrte Kyritz vorwiegend Tuche und das als ,,Mord und Totschlag“ bekannte Kyritzer Bier aus.

Im 14. Jahrhundert erlangte auch die Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung, lieferte sie doch teilweise Rohstoffe fĂĽr die Handwerker.

In der Kyritzer Gemarkung gab es im Mittelalter vier Getreidemühlen. Die Stadt- oder Vierradenmühle, die Hahnenwinkel- oder Dreiradenmühle, die Stolper Mühle und die Rüdower Mühle. Unter Markgraf Johann erwirbt die Stadt 1316 für 180 Silbermark den Bantikower, den Stolper und den Königsberger See.

Die Fehden der Adligen in der Mark Brandenburg im 15.Jahrhundert hemmten auch die weitere Entwicklung der Städte in der Prignitz. So versuchte der mecklenburgische Ritter von Bassewitz 1381 die Stadt zu überfallen, wurde aber von den tapferen Kyritzern abgewehrt. 1411 belagerte der Ritter von Bassewitz abermals die Stadt, wurde beim Eindringen in die Stadt gefangengenommen und mit seinem eigenen Schwert, das seitdem im Rathaus aufbewahrt wird, hingerichtet. Im 16. und 17. Jahrhundert sank die Wohlhabenheit der Stadt mehr und mehr, da der landesfürstliche Absolutismus Bauern und Bürgertum ausplünderte und somit die Städte verschuldete. Zu einem finsteren Kapitel in der Geschichte unserer Stadt gehörte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), der viel Elend über die Bürger brachte. 1635 kam es bei Kyritz zu einer Schlacht zwischen dem brandenburgisch-sächsischen Heer und den Schweden. Die Schrecken und Verluste des großen Krieges ließen keine rechte Entwicklung gedeihen. Das einst blühende Handwerk und Gewerbe sowie das Brauwesen gingen stark zurück, und aus Kyritz wurde ein Ackerbürgerstädtchen, geprägt von tiefen Höfen und Toreinfahrten.

Seit 1718 war Kyritz Garnisonsstadt für Kavallerieeinheiten für fast 100 Jahre. Schwere Lasten entstanden der Stadt im Laufe des Siebenjährigen Krieges (1756-1763), die als besondere Abgaben an den preußischen König sowie an die zeitweilig die Stadt besetzenden Schweden zu zahlen waren. Durch Pest, Feuersbrünste und Kriege ist die Einwohnerzahl stark abgesunken. Erst Ende des 18.Jahrhunderts ist sie wieder auf 2000 angewachsen.

Als 1806 nach der Schlacht von Jena und Auerstädt die Mark Brandenburg durch französische Truppen besetzt wurde, spĂĽrten auch die Kyritzer die Drangsale einer Besatzung. Die Stadt hatte hohe Abgaben aufzubringen, und so wurden der Kämmerer Schulze und der Kaufmann Kersten schuldlos auf Grund eines Kriegsgerichtsurteils durch französische Truppen erschossen (1807). Ein Gedenkstein an der Kirche weist heute noch darauf hin. Im Andenken an die Völkerschlacht bei Leipzig, in der die UnterdrĂĽcker geschlagen wurden, pflanzten die Kyritzer 1814 auf dem Marktplatz vier Eichen, von denen noch heute eine als „Friedenseiche“ steht. 1817 wurde Kyritz Kreisstadt und erhielt ein Landratsamt.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es wieder einige wohlhabende Kaufleute in der Stadt, die mit Tuchen, Wolle, GewĂĽrzen, Eisenwaren und Wein handelten.

Durch das Aufblühen der Landwirtschaft nach dem Kriege 1870/71 wurde in Kyritz eine Stärkefabrik gebaut, die als eine der größten Deutschlands galt. In den darauffolgenden Jahren entstanden ein Elektrizitätswerk und eine Molkerei. 1879 wurde das heutige Rathaus erbaut, das anstelle des 1825 abgebrannten entstand. l9l0 wurde in Kyritz das Kreiskrankenhaus erbaut, 1913 erhielt die Stadt ein Schulgebäude (Goethe-Schule).

Nachdem die Stadt auch im 19. Jahrhundert mehrmals stark brannte, wurde 1895 eine freiwillige Feuerwehr gegrĂĽndet. 1887 erhielt Kyritz BahnanschluĂź nach Neustadt und Pritzwalk.

Die beiden Weltkriege brachten auch Leid unter der Kyritzer Bevölkerung. Im 1. Weltkrieg fanden über 160 Bürger den Tod und im 2. Weltkrieg wurden 174 Gefallene beklagt. Am 2. Mai 1945 wurde die Stadt kampflos den sowjetischen Truppen übergeben. Beherzte Bürger von Kyritz hißten die weiße Fahne auf dem Rathausturm.

In den Jahren 1956 bis 1985 erfolgte der Aufbau der Wohngebiete Kyritz West und Ost, so daĂź in dieser Zeit zwei neue Stadtteile entstanden. In den späten fĂĽnfziger und sechziger Jahren entstanden Gesellschaftsbauten. Die Landwirtschaft und landwirtschaftliche Verarbeitungsindustrie entwickelten sich zu leistungsfähigen Betrieben. Mit der GrĂĽndung des kommunalen Zweckverbandes „Kyritzer Seenkette“ 1976 konnten die Bedingungen fĂĽr Erholungssuchende wesentlich verbessert werden.

Campingplatz und Strandbad wurden jährlich von Tausenden Gästen besucht. 1987 wurde zur 750-Jahr-Feier der Stadt die Rekonstruktion des Stadtkerns im wesentlichen abgeschlossen. Dabei wurde der historische Charakter vieler alter Gebäude gewahrt.

Im Oktober 1989 zog es viele Bürger der Stadt Kyritz in die Kirche. Während der hier durchgeführten Friedensgebete wurde zum ersten Mal das Bürgerrecht auf freie Meinungsäußerung praktiziert. Am 21. November 1989 demonstrierten Kyritzer Bürger gegen die Umgestaltung der Sicherheitsorgane und für eine zügigere Durchsetzung von Reformen im Land. 1990 fanden die ersten freien Kommunalwahlen statt. In Kyritz entstand 1990 der Erste ALDI-Verbrauchermarkt der neuen Bundesländer. 1991 zum Schuljahresbeginn beschließt die Stadtverordnetenversammlung eine neue Schulstruktur. Seit dem 1.August 1993 besteht das Amt Kyritz. Kyritz verwaltet seitdem die Gemeinden Bork Lellichow, Drewen, Holzhausen, Kötzlin, Rehfeld Berlitt, Schönermark und Teetz-Ganz. Seit dem 14. August 1993 gehört die Stadt zum Hansebund der Neuzeit. Erster Hansebotschafter war Herr Dieter Becker. Seit September 2006 bekleidet Manfred Michaelis dieses Amt.

Gleichzeitig mit den vorgezogenen Kommunalwahlen vom 5. Dezember 1993 tritt die Kreisgebietsreform in Kraft. 1994 begann die ErschlieĂźung des Gewerbegebietes Kyritz SĂĽd und Kyritz wurde an die Erdgasversorgung angeschlossen.

In den darauffolgenden Jahren wurde in unserer Stadt viel gebaut und saniert wie z.B. die Sanierung der Rathausfassade, Bau einer neuen Start- und Landebahn auf dem Flugplatz in Heinrichsfelde, die Sanierung des Strandbades, die Erneuerung des Marktplatzes und der Hamburger StraĂźe sowie die Sanierung der Stadtkirche St. Marien und des Kirchplatzes.

Geschichte in Zahlen

946

Erste urkundliche Erwähnung

1237

„Chorizi“ erhält Stadtrecht

1245

bis ins 15. Jh. Ist eine Münzstätte nachweisbar

1287

verleihen die Askanier der Stadt die Zollfreiheit fĂĽr die gesamte Mark

13. Jh.

Beginn des Baus einer Stadtmauer und einer Kirche

Das Franziskanerkloster wird erwähnt

1322

ein St. Spiritushospital erwähnt

1333

erster Nachweis einer Schule

1358

Kyritz wird Mitglied der Hanse

1381

Ăśberfall des Ritters Bassewitz

1411

Bassewitz wird gefangengenommen und enthauptet

1488

Das Kyritzer Bier heiĂźt „Mord und Totschlag“

1539

Die Reformation wird eingefĂĽhrt

1541

Säkularsierung des Franziskanerklosters

1562

GroĂźbrand

1580

Die Schützengilde erhält ihr Privileg

1610

300 Tuchmacher sind ansässig

1622

Stadtbrand zerstört die halbe Stadt mit Kirche, Schule und Pfarrhaus

1626

800 Kyritzer sterben an der Pest

1634

Stadtbrände

1635

Die Sachsen werden bei Kyritz von den Schweden geschlagen

1666

Die Apotheke erhält ihr Privileg

1674

nach Brand Schule beim Kirchhof wieder aufgebaut

1718

Das Lazarett der „Gelben Reiter“‚ ist in der Garnisonsstadt

1739

Die Wälle werden eingeebnet

1779

alle Gebäude sind im Fachwerk errichtet , die Stadt hat nur zwei Steinhäuser

1780

Die Stadttore werden niedergelegt

1806

Franzosen lagern am Bantikower See

1807

Mord an Schulze und Kersten durch napoleonische Besatzer in Kyritz

1814

nach Sieg ĂĽber Napoleon vier Eichen auf den Marktplatz gepflanzt, die Friedenseiche wird gepflanzt

1816

Kyritz wird Kreisstadt der Ostprignitz

1824

Stadtbrand zerstört auch den alten Kirchturm

1825

Stadtbrand zerstört auch das gotische Rathaus auf dem Marktplatz

1830

Ausbau der Chaussee nach Perleberg

1833

neues klassizistisches Rathaus auf dem Marktplatz errichtet

1839

Fritz Reuter in der Stadt (Gedenktafel M.-Gorki-Str. 59)

1846

Das Schulze-Kersten-Denkmal wird errichtet

1855

GrĂĽndung der Sparkasse

1859

Kyritz wird Garnisonsstadt (bis 1878)

1862

GrĂĽndung des Turnvereins „Jahn“

1871

Lehrerseminar und Präparandenanstalt entstehen

1873

Die Stärkefabrik wird gegründet

1887

Kyritz erhält Bahnverbindung und nach Neustadt (D.) und – Meyenbugr

1879

Bau des heutigen Rathauses auf erweitertem Standort, da Vorgängerbau zu klein

1887

AnschluĂź an Bahnnetz und Bau des Bahnhofes

1893

Auf der Insel besteht eine Gaststätte

1895

GrĂĽndung der Feuerwehr

1896

Eröffnung der Ost-Westprignitzer Kleinbahn „Pollo“

1897

Gründung der Elektrizitätswerke

1910

Errichtung des Kreiskrankenhauses

1923

Bau der Egidi- Siedlung vor den Toren der Altstadt

1925

Kyritz erhält städtische Badeanstalt

1927

Der heutige Friedrich-Ludwig-Jahn Sportplatz entsteht

1945

Wilhelm Pieck verkĂĽndet im Saal „Zum Prignitzer“ die Bodenreform

1948

Die Stadtbibliothek entsteht

1952

Kyritz wird Kreisstadt des gleichnamigen Kreises

1955

Beginn des Aufbaus von Kyritz-West und -Ost

1960

Der Betrieb „Agrarflug Heinrichsfelde“ wird gebildet

1968

Das Kreiskulturhaus wird seiner Bestimmung ĂĽbergeben

1970

Erstmals „Kyritzer Festtage“

1979

Der Dossespeicher wird in Betrieb genommen

1987

Kyritz begeht 750-Jahrfeier

1993

Erste PRIMA-Messe, Kyritz wird Mitglied der Hanse der Neuzeit

1994

Erstes SchĂĽtzenfest

1994

Sanierung der Rathausfassade

2000-01

Erneuerung des Marktplatzes

2000-03

Sanierung der Stadtkirche St. Marien

2004

Städtepartnerschaft mit Svalöv

2006

Sanierung des Kirchplatzes

Städtepartnerschaft mit Wa£cz.

Gedenktafel am Rathaus wird eingeweiht

– In der Nacht vom 01. zum 02. Mai 1945 hissten beherzte BĂĽrger die
weiĂźe Fahne auf dem Rathausturm und retteten Kyritz vor der Zerstörung –

Erneuerung der Hamburger StraĂźe

Sanierung Schulze-Kersten-Denkmal

2007

Einweihung des Bassewitzbrunnens

Abriss der StadtmĂĽhle und Bau Verbrauchermarkt

Vertragsabschluss „Kleeblatt“-Kommunalverbund mit Wusterhausen und Neustadt (Dosse)

2008

Eröffnung Mehrgenerationenhaus

Finanzamt Kyritz erhält Zuständigkeit für Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin

2009

Ăśbergabe der neuen Sport- und Freizeitanlage am StadtmĂĽhlenwall

2010

Sanierung des 2. Teils der Stadtmauer zwischen Graf-von-der-Schulenburg-StraĂźe und Holzhausener StraĂźe

2011

Einweihung neues Funktionsgebäude KMG Klinikum

Neugestaltung des Rosengartens

Einweihung Agrarflugmuseum Kyritz

2012

Begründung der Städtepartnerschaft mit Bailleul (Frankreich)

2013

Abriss der Alten Jäglitzbrücke

Sanierung der Kloster- und Kirchenmauer im ehemaligen Franziskanerkloster Kyritz

WiedereinfĂĽhrung des KY-Kennzeichen als KFz-Kennzeichen

2014

Einweihung neuer Busbahnhof Am BĂĽrgerpark

Verkehrsfreigabe neue Jäglitzbrücke

Inbetriebnahme der Wohnmobilstellplätze am Parkplatz Wässering

Bezug der sanierten Wohnhäuser Klosterblick Ecke Hamburger Straße / Johann-Sebastian-Bach-Straße

2015

Eröffnung der neugestalteten Seepromenade

Grundsteinlegung und Richtfest Kita-Neubau PrinzenstraĂźe

Einweihung neues Bettenhaus KMG-Klinikum

Sanierung der Graf-von-der-Schulenburg-StraĂźe und der Holzhausener StraĂźe

2016

Eröffnung neue Kita Mitte-Kyritz

Fertigstellung der Kleinsthäuser Weberstraße 99 bis 103

120. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Kyritz

Neuer Kreisverkehr an der Europakreuzung

Verlängerung der Straße Am Bahnhof

2016/17

Sanierung der Johann-Sebastian-Bach-StraĂźe

2017

Eröffnung der Heimatstube in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 6 im Klosterviertel

2018

Eröffnung Abenteuerwald in der Waldkolonie

Sanierung der PrinzenstraĂźe

Fertigstellung der sanierten Kleinsthäuser in der WeberstraĂźe 105 – 109

Ă–ffentlicher WLAN-Hotspot am Marktplatz von Kyritz

Beginn der Neugestaltung des Klosterviertels zum Kulturstandort

2019

Eröffnung neue Spielplätze in Heinrichsfelde, Rehfeld, auf der Insel und in der Straße der Jugend

Inbetriebnahme zusätzlicher Bahnhaltepunkt Am Bürgerpark

Neugestaltung der Untersee-Insel

Neueröffnung des Einkaufszentrums Prignitzcenter in Kyritz-West

2020

Neugestaltung der Anlegestellen am Seeufer

Sanierung der Kloster-/WeberstraĂźe

Sanierung des Kleinsthauses Johann-Sebastian-Bach-StraĂźe 8

Neubau der Gartenpromenade zwischen Bahnhof und Prignitzcenter

Beginn der Sanierung StraĂźe der Jugend